Lieber Andreas,
deine Zeilen haben mich sehr berührt, weil sie mir so unglaublich bekannt vorkommen. Was du über das "unsichtbar sein wollen" und das Scheitern daran schreibst – das habe ich genauso erlebt. Ich kenne dieses Gefühl, bei Dates dabei zu sein und mich selbst als störend zu empfinden, nur zu gut. Es ist ein schmaler Grat zwischen "dabei sein dürfen" und "im Weg sein".
Und auch diese Regel, dass der Leibhaber nicht zu uns nach Hause kommt, war bei uns jahrelang absolut gesetzt. Aus genau denselben Gründen wie bei euch: Es ist unser geschützter Raum, familiär geht das einfach nicht.
Meine Frau hatte auch schon häufig Sex mit ihrem Liebhaber und ich haben das auch schon oft miterleben dürfen. Aber es war immer woanders passiert, nie in unseren eigenen vier Wänden. Und doch hat sich bei uns im letzten Dezember eine Tür geöffnet, die wir nie für möglich gehalten hätten. Es ergab sich eine seltene Gelegenheit, dass wir tatsächlich einmal alleine zuhause waren und er zu Besuch kam. Als es an diesem Abend so weit war, habe ich nach dem gemeinsamen Abendessen einfach den Tisch abgeräumt und mich um das schmutzige Geschirr gekümmert. Ich ließ ihnen bewusst den freien Raum – und vor allem die freie Entscheidung, welches Zimmer sie aufsuchen würden.
Um ehrlich zu sein: Ich hatte insgeheim angenommen und fast schon gehofft, dass sie ins Schlafzimmer gehen würden. Es war dieser eine besondere Abend, die Ausnahme, und ich hatte mir vorgestellt, dass unser Ehebett nun auch Teil dieses Spiels werden könnte. Ich habe es aber nicht angesprochen – es sollte ihr freier Moment sein.
Sie zogen sich zurück. Und ich wartete.
Dann kam es anders, als ich gedacht hatte: Sie gingen nicht in unser Schlafzimmer, nicht in unser Ehebett. Sie wählten das Gästezimmer. Meine Frau entschied sich – ohne dass ich etwas gesagt hatte – ganz von selbst dagegen. Es war nicht meine Enttäuschung, sondern ihr Bedürfnis, diesen einen Raum mit mir zu schützen. Und obwohl es nicht das war, was ich mir für diesen Abend erträumt hatte, respektierte ich es zutiefst.
Sie hatten im Gästezimmer einen sehr intensiven, leidenschaftlichen Abend – so wie sie es von ihren anderen Dates kannte. Aber diesmal war es bei uns. In unserem Haus. Und das machte den Unterschied. Irgendwann holten sie mich dann zu sich. Die Luft im Raum war "Sex"-geschängert. Es lag eine Mischung ihres süßen Duftest und seins herben Spermageruchs in der Luft. Ich küsste sie, sie forderete mich auf, sie schön sauber zu lecken. Ich kam ihrer Aufforderung leidenschaftlich gerne nach!
Irgendwann später bin ich dann als Erster zum Schlafen in unser Schlafzimmer gegangen. Das Bett im Gästezimmer wäre groß genug gewesen – meine Frau hätte die Nacht problemlos bei ihm verbringen können. Aber sie kam einige Zeit später auch zu mir ins Ehebett. Sie entschied sich für mich, für unsere Nacht. Ohne Worte, ohne Absprache – einfach so.
Und dann kam der nächste Morgen: Ich wachte auf, weil sie unser Bett wieder verließ – um zu ihm ins Gästezimmer zu gehen. Zum Morgensex. Ich stellte mich schlafend und ließ die beiden gewähren. Ich hörte ihnen genussvoll dabei zu – dieses heimliche Zuhören, dieses Wissen um das, was nebenan passierte, während ich in unserem Bett lag, war ein Geschenk.
Dieser Abend und dieser Morgen waren neu und intim – nicht wegen des Sex, nicht wegen des Liebhabers (das war vertraut), sondern weil es bei uns zuhause stattfand. Weil ich lernen musste, dass meine Fantasie (das Ehebett) nicht immer mit ihrer übereinstimmen muss. Und weil sie am Ende immer wieder zu mir zurückkam – und trotzdem am nächsten Morgen ihren eigenen Bedürfnissen folgte.
Was ich dir damit sagen will: Ich verstehe eure Grenzen zu 100 %. Und ich bin der Letzte, der sagen würde, man müsse sie überschreiten. Doch manchmal entscheiden die Dinge sich anders, als man es sich erträumt hat – und sind trotzdem ein Fest.
Bei uns war es das. Und ich wünsche euch, dass ihr immer wieder solche Momente findet, die sich für euch beide – und für alle Beteiligten – einfach richtig anfühlen.
LG


) Orgasmen in vollen Zügen!